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Vinothek Thun
Bioweine & Naturweine — Schweiz

Naturwein Schweiz — Spontangärung, niedrige Sulfite und kleine Erzeuger

Naturweine aus der Schweiz: Erzeuger mit Spontangärung, minimaler oder keiner SO2-Gabe und ohne Schönung. Sortiment Vinothek Thun mit Sommelière-Beratung.

Von — Sommelière, Gründerin der Vinothek Thun
Veröffentlicht am 18. May 2026

Naturwein ist in der Schweiz noch eine Minderheit — geschätzt unter zwei Prozent der Produktion. Eine offizielle Definition gibt es nicht, aber die akzeptierten Kriterien lauten: biozertifizierte Trauben (oder gleichwertig), Handlese, Spontangärung mit Wildhefen, keine Schönung, keine Filtration oder nur grobe, keine Zusatzstoffe ausser minimaler Schwefel (oft unter 30 mg/l Gesamt-SO2). Die Vinothek Thun führt rund 35 Etiketten aus Schweizer Naturweinerzeugung.

Welche Schweizer Regionen produzieren Naturwein?

Vier Regionen sind etabliert:

  • Jura und Drei-Seen-Land — Pinot Noir, Chasselas und Sauvignon, oft mit kurzer Maischestandzeit oder als Orange Wine.
  • Neuenburg — Œil-de-Perdrix nature, Chardonnay spontan vergoren.
  • Wallis — Petite Arvine, Heida und Cornalin in ungeschwefelter oder schwach geschwefelter Variante. Trockenheit erleichtert die Arbeit ohne Kupfer.
  • Tessin und Misox — Merlot und einheimische Sorten in Naturwein-Stil, oft mit Amphorenausbau.

Was unterscheidet Naturwein von Bio?

Bio reguliert den Weinberg. Naturwein reguliert auch den Keller. Konkret:

  • Hefen: Bio erlaubt Reinzuchthefen, Naturwein verlangt Wildhefen.
  • Schönung: Bio erlaubt Bentonit, Eiweiss, Casein; Naturwein verzichtet auf Schönung oder nutzt nur Sedimentation.
  • Filtration: Bio meist filtriert, Naturwein häufig unfiltriert oder grobgefiltert (Wein kann trübe sein).
  • SO2: Bio erlaubt bis 100-150 mg/l Gesamt-SO2, Naturwein bleibt meist unter 30 mg/l, oft unter 10.
  • Zusatzstoffe: Bio erlaubt Gummi arabicum, Hefenährstoffe etc.; Naturwein verzichtet.

Folge: Naturwein ist sensorisch oft frischer, fruchtiger, manchmal mit feiner Reduktion oder leichter flüchtiger Säure. Manche Weine sind trübe — das ist kein Fehler, sondern Stilistik.

Wie erkenne ich einen guten Naturwein?

Drei Indikatoren:

  • Klare Frucht ohne dominierende Fehltöne (Mäuseln, übermässige Brett-Aromen, scharfe Essignote).
  • Spannung und Trinkfluss — der Wein soll lebendig wirken, nicht müde.
  • Wiedererkennbarkeit der Herkunft — ein Walliser Naturwein soll nach Walliser Boden schmecken, nicht nach generischem “Nature”.

Naturwein-Fehlertöne sind ein berechtigtes Thema. Lara Schmid verkostet jeden Jahrgang vor Aufnahme ins Sortiment und schliesst Weine mit nicht akzeptablen Fehltönen aus — eine harte Regel, die viele Naturwein-Bars nicht anwenden.

Welche Schweizer Naturwein-Erzeuger sind im Sortiment?

Die Liste rotiert je nach Verfügbarkeit (Naturwein wird oft in Kleinstmengen produziert). Aktuell präsent:

  • Drei Erzeuger aus dem Wallis (zwei aus Salgesch, einer aus Sierre).
  • Zwei aus dem Drei-Seen-Land (Neuenburg, Bielersee).
  • Einer aus dem Jura (Chasselas Pet-Nat).
  • Einer aus dem Tessin (Merlot in Amphora).

Die meisten Erzeuger produzieren unter 20’000 Flaschen pro Jahr. Mengen sind begrenzt, und Reservierung wird empfohlen — gerade bei Naturwein-Jahrgängen mit niedriger Ernte.

Naturwein-Degustationen

Einsteigerformat: sechs Weine, drei davon Naturwein, drei davon konventionell oder bio im Vergleich. Ziel ist, den Stilunterschied erkennen zu lernen, nicht eine Ideologie zu predigen. Termine über die Sommelière buchbar.

Bezug zur Portugal-Linie

Auch Julia Kemper arbeitet im biodynamischen Stil mit reduzierter SO2, ohne als reiner Naturwein-Erzeuger klassifiziert zu sein. Wer Naturwein mag, findet bei Julia Kemper ähnliche Stilistik mit portugiesischer Aromatik.

Kontakt

Kontaktformular der Vinothek Thun.